Jetzt

University of Maryland; College Park, Maryland, USA

18. Oktober 1975

Rede von Sri Chinmoy

Now – Jetzt. „N“ repräsentiert Notwendigkeit. „O“ repräsentiert Einssein (Oneness). „W“ repräsentiert wann. Wann müssen wir die höchste Notwendigkeit, unser bewusstes, konstantes und untrennbares Einssein mit dem Absoluten Supreme zu entdecken, fühlen? Jetzt! Jetzt ist die Zeit zu sehen, jetzt ist die Zeit zu fühlen, jetzt ist die Zeit zu handeln, jetzt ist die Zeit zu werden. Jetzt ist die Zeit zu entdecken, was wir ewig sind.

Was sollen wir sehen? Schönheit innen, Schönheit außen.

Was sollen wir fühlen? Frieden im Innen, Frieden im Außen.

Wie sollen wir handeln? Liebe das Wirkliche im Menschen: Gott. Diene dem Wirklichen in Gott: dem Menschen.

Was sollen wir werden? Gottes vollkommene Instrumente.

Was sollen wir entdecken? Gottes Stille-Vision und Gottes Klang-Wirklichkeit.

Falls wir bis jetzt im Körper-Bewusstsein gelebt haben, ist jetzt die Zeit für uns gekommen, einen neuen Platz zum Leben zu finden. Ab jetzt wollen wir im Vitalen leben, in dem Vitalen, welches erschafft, und nicht in dem Vitalen, welches zerstört. Falls wir bis jetzt im Vitalen gelebt haben, ist jetzt die Zeit für uns gekommen, einen neuen Platz zum Leben zu finden. Ab jetzt wollen wir im Verstand (Mind) leben, in dem Verstand, welcher glaubt, und nicht dem Verstand, der ungläubig ist. Falls wir bis jetzt im Verstand gelebt haben, ist jetzt die Zeit für uns gekommen, einen neuen Platz zum Leben zu finden. Lasst uns ab jetzt im Herzen leben, in dem Herzen, welches sich ausdehnt, und nicht in dem Herzen, welches sich zusammen zieht. Wenn wir bis jetzt im Herzen gelebt haben, ist jetzt die Zeit für uns gekommen, einen neuen Platz zum Leben zu finden. Lasst uns ab jetzt in der Seele leben, in der Seele, die sich nach der Manifestation Gottes-Wirklichkeit auf Erden sehnt, und nicht in der Seele, die sich nicht um die Manifestation der Gottes-Wirklichkeit kümmert.
Falls wir bis jetzt in der Seele gelebt haben, ist jetzt die Zeit für uns gekommen, einen neuen Platz zum Leben zu finden. Lasst uns ab jetzt im Höchsten Gott leben: in dem Höchsten Gott, der uns sagt, dass Er uns genau so braucht, wie wir Ihn brauchen, und nicht in dem Höchsten Gott, der uns sagt, dass Er uns nicht braucht, während wir Ihn sehr wohl brauchen. Denn in der Tat sagt der wirkliche Höchste Gott dem Sucher, dass Er ihn unendlich mehr braucht als der Sucher Gott braucht. „Wie ist das möglich?“ fragt der Sucher. Gottes unmittelbare Antwort ist sowohl göttlich einfach als auch höchst überzeugend. Er sagt dem Sucher, dass sich der Sucher leider manchmal mit Furcht, Zweifel, Sorgen, Eifersucht, Unsicherheit und anderen ungöttlichen Kräften anfreundet. Daher ist es dem Sucher nicht möglich, sich stets der unendlichen Wahrheit bewusst zu sein, die ihm innewohnt. Es ist ihm nicht möglich, sich seines unendlichen Potentials, seiner unendlichen Möglichkeiten und seiner unendlichen Unvermeidlichkeiten bewusst zu sein. Der Sucher weiß nicht, was er eigentlich ist.

In Gottes Fall ist es jedoch so, dass Er, gerade weil Ihm Unendlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit stets zu Verfügung stehen, weiß, was der Mensch eigentlich ist. Der Mensch ist das Herz der Unendlichkeit, der Mensch ist der Atem der Ewigkeit, der Mensch ist das Leben der Unsterblichkeit.

Jetzt ist die Zeit für jeden aufrichtigen Sucher, einen ewig anhaltenden Durst und Hunger nach Gott zu entwickeln. Mit seinem ewig anhaltenden Durst und Hunger nach Gott auf der Erde wird er transzendieren, was er nicht ist: Unwissenheits-Nacht. Und mit seinem ewig anhaltenden Durst und Hunger nach Gott im Himmel wird er zur Erde herabsteigen, um Gott-Erfüllung im Leben und Gott-Vollkommenheit im Leben anzubieten.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte jeder spirituelle Meister der höchsten Stufe etwas Einmaliges anzubieten. Vor viertausend Jahren bot Sri Krishna seine höchste Botschaft der Menschheit, der gesamten Welt an: „Immer wenn das Dharma, der Kodex der inneren Welt, verfällt und Gottlosigkeit die Oberhand gewinnt, wird Er (Gott), das Unendliche Bewusstsein, sich in menschlicher Form inkarnieren, um die ungöttlichen Neigungen in uns zu transformieren und die Göttliche Wirklichkeit in uns zu erfüllen“.

Dann stieg Lord Buddha vor zweitausendfünfhundert Jahren mit einer sehr besonderen Botschaft herab: „Der Mittlere weg. Schwelge nicht in den Vergnügungen der Sinne, und ziehe dich aber gleichzeitig nicht in die Askese zurück: weder Sinnes-Befriedigung noch Kasteiung der Sinne. Jeder Sucher muss die Balance finden, indem er dem Mittelweg folgt. Die Transformation unseres niederen Selbst und die Manifestation unseres höheren Selbst müssen zu ein und derselben Zeit geschehen, jedoch ohne seine Zuflucht in die Sinnes-Befriedigung oder in die Kasteiung der Sinne zu nehmen“. Dies war die Botschaft Buddhas.

Vor zweitausend Jahren kam Christus, der Erlöser in die Erdarena herab. Seine höchste Botschaft lautete: „Ich bin der Weg, Ich bin das Ziel.“ Hier bedeutet „der Weg“ Strebsamkeit, und „das Ziel“ bedeutet Erlösung. Es geschieht durch Strebsamkeit, dass man schließlich die höchste Erlösung erhält. Die heutige Strebsamkeit verwandelt sich in die morgige Erlösung.

 

Ich möchte einen weiteren spirituellen Meister der höchsten Kategorie erwähnen. Sein Name war Sri Chaytania. Seine Botschaft war Reinheit und Liebe – Reinheit in der Liebe, Liebe in der Reinheit. Wenn man Reinheit in der Liebe und Liebe in der Reinheit erreicht, dann genießt man auf göttliche Weise Wonne, welche unsere Quelle ist, unsere ewige (beständige) Quelle.

Vor Tausenden von Jahren boten die vedischen Seher der ehrwürdigen Vergangenheit eine bedeutende Botschaft an: „Aus der Wonne kamen wir ins Dasein, in die Wonne wachsen wir hinein, am Ende unserer Reise werden wir uns in die Wonne zurückziehen.

Sri Ramakrishna kam mit einer äußerst bedeutenden Botschaft. Seine Botschaft an die Menschheit lautete: „Weine, weine wie ein kleines Kind nach seiner Mutter. Das Herz eines Kindes kann leicht die Liebe, das Mitleid, die Göttlichkeit und die Unsterblichkeit der Mutter erobern. Weine, weine wie ein Kind, wie ein unschuldiges Kind. Die Höchste Mutter kann nicht anders als dir die Erleuchtung der höchsten Höhe zu gewähren.

Dann kam Sri Aurobindo mit seiner Botschaft des göttlichen Lebens, der Botschaft von der Transformation der Natur. Hier auf der Erde muss der physische Körper transformiert werden, hier auf der Erde muss die Botschaft des Göttlichen manifestiert werden. Die Transformation der menschlichen Natur, die Reinigung all seiner Glieder muss hier auf der Erde geschehen, so dass die Unsterblichkeit den ihr gebührenden Platz in der physischen Gestalt finden kann.

Seitdem haben viele spirituellen Meister hier im Westen und auch im Osten ihr Licht der strebenden Menschheit angeboten.

Jeder spirituelle Meister hat gemäß seiner eigenen Verwirklichung zu dieser Welt in ihrer Gesamtheit etwas beizutragen, gemäß seiner eigenen Empfänglichkeit und gemäß der Welt.

Im Zuge Seiner unendlichen Großzügigkeit hat Gott mir die Gelegenheit gegeben, desri chinmoy smilingr strebsamen Menschheit zu Diensten zu stehen. Wir haben unseren eigenen Weg, und das ist der Weg der Liebe, Hingabe und Selbstaufgabe. Für die Anhänger unseres Weges sind Liebe, Hingabe und Selbstaufgabe von höchster Bedeutung: göttliche Liebe, göttliche Hingabe, göttliche Selbstaufgabe.

Die Liebe, die bindet und verblendet, ist menschliche Liebe. Die Liebe, die sich ausdehnt und erleuchtet, ist göttliche Liebe.

Hingabe im Physischen ist nichts anderes als Verhaftung. Wenn wir der Welt der Sinne, der Unwissenheits-Welt hingegeben sind, ist es keine Hingabe, sondern Anhaftung. Wenn wir den Begriff „Hingabe“ verwenden, darf er nur auf das Göttliche in uns angewendet werden, auf die höchste Wirklichkeit in uns. Wir geben uns einem höheren Beweggrund, einem höheren Ideal hin.

Menschliche Selbstaufgabe ist das sich ausliefern eines Sklaven an seinen Herrn. Göttliche Selbstaufgabe ist die Auslieferung der eigenen unerleuchteten, dunklen, unreinen Wirklichkeit an die eigene, völlig erleuchtete, völlig vergöttlichte, völlig vervollkommnete Wirklichkeit.

Hier gibt sich das Niedere in uns der eigenen, höheren Wirklichkeit hin. Es ist keine uns aufgedrängte Selbstaufgabe, keine uns aufgezwungene Selbstaufgabe. Es ist eine Selbstaufgabe, die auf unserem Gefühl untrennbaren Einsseins mit unserem eigenen höheren Wirklichkeits-Dasein gründet. Das Endliche in uns liefert sich fröhlich, hingebungsvoll, seelenvoll und bedingungslos dem Unendlichen in uns aus. Der Regentropfen geht im mächtigen Ozean auf, verliert so seine Individualität und seine Persönlichkeit und wird selbst zum Ozean. Gleichermaßen werden wir, die wir jetzt im begrenzten Bewusstsein, gebunden im begrenzten Bewusstsein sind, eines Tages völlig losgelöst und befreit sein, und wir werden die ewige Freiheits-Wirklichkeit verwirklichen, die wir in der inneren Welt auf ewig sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.